Soldat Christian Grossenbacher hat am ersten Tag der CISM-Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Sofia Geschichte geschrieben. In 51,26 Sekunden gewann der 29-jährige Winterthurer über 400 m Hürden als erster Schweizer Bahnleichtathlet den Welttitel.
Zweiter wurde der Brasilianer Thiango Sales (51,38), Dritter der US-Amerikaner Nathaniel Garcia (51,58). In 52,65 erreichte der Schweizer Michael Pfanner (LV Thun) Rang 6, nachdem er seinen Vorlauf noch dominiert hatte.
Grossenbachers Vorlauf-Poker ging auf
Militärweltmeister Christian Grossenbacher seinerseits hätte sich beim vormittags stattfindenden Halbfinal fast verspekuliert. Als Vierter seines Vorlaufs qualifizierte er sich nämlich nur über die Zeit für den Final. „Ich versuchte im Vorlauf bewusst Kraft zu sparen und nahm nach der fünften Hürde etwas Gas raus. Diese Taktik kam mir im Final zugute“, ist der EM-Halbfinalist von 2006 überzeugt, der sich im Endlauf deutlich frischer fühlte als die Konkurrenz.
Bis zur letzten Hürde auf Rang zwei gelegen, fing der fünffache Schweizer Meister den führenden Brasilianer im Endlauf mit einem unwiderstehlichen Endspurt noch ab. „Ich wäre gerne unter 51 Sekunden geblieben“, räumt der Sieger ein, dessen persönliche Bestleistung bei 50,08 steht. „Doch an der WM zählt bloss der Titel.“ Der erste Titel eines Schweizer CISM-Leichtathleten!
Premiere für die Leichtathleten
1999 hatte Viktor Röthlin in Zagreb (Kroatien) Bronze über 5000 m geholt. Weitspringer Julien Fivaz eroberte 2007 Silber in Hyderabad (Indeen). Christian Grossenbacher, der mit der Goldmedaille in Sofia seinen bedeutendsten Karriere-Erfolg feierte, gehört seit 2006 dem CISM-Athletics-Team an. Vorher hatte die Schweizer CISM-Equipe lediglich aus Läufern bestanden. Diese entschieden bei den Marathon-Weltmeisterschaften 2002 in Biel zwar die Mannschaftswertung für sich. Allein, der erste Schweizer Einzel- oder Bahntitel wurde erst in Sofia Tatsache.
Überraschung bei der Eröffnungsfeier
In der bulgarischen Hauptstadt kämpfen derzeit 600 Teilnehmer aus 33 Nationen um Medaillen und Titelehren, von A wie Albanien bis V wie Venezuela. Dabei haben die 13 Schweizer Athleten nicht nur sportliche Überraschungen erlebt. So wurde die Eröffnungsfeier kurzerhand um einen Tag vorverlegt. Zum Glück war das Vordetachement mit Maj Christian Hess (Chief of Mission) und Oberstlt Stefan Spahr (Team Captain) schon vor Ort. Die Delegationsleitung liess es sich denn auch nicht nehmen, die Schweizer Flagge persönlich ins 43 000 Zuschauer fassende Vasil Levski National Stadium zu tragen. Bei den anderen, noch nicht angereisten Staaten mussten bulgarische Armeeangehörige einspringen, um diese ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen. Der Eröffnungszeremonie wohnten zahlreiche hochrangige Offiziere und Politiker bei, darunter CISM-Präsident Brigadier General Gianni Gola und Nikolai Tzonev, seines Zeichens bulgarischer Verteidigungsminister.


