Einführung Werterhaltung Panzer 87 Leopard
15.12.2011
Die Werterhaltungsmassnahmen an den Panzern 87 Leopard (Pz 87 Leo WE) werden derzeit zügig von der Industrie umgesetzt. Insgesamt werden 134 Leopard modernisiert. Die ersten Leo WE konnten bereits an die Truppe übergeben werden. Die Truppeneinführung wird durch das Berufspersonal des Lehrverbands Panzer/Artillerie unterstützt. Hierzu wird für alle WK-Kader der Stufe Kompanie ein wöchiger Umschulungskurs in Thun durchgeführt.
Der Umschulungskurs für die Kader ist die Grundlage für die Ausbildung der Truppe in den Wiederholungskursen, welche durch die Milizkader durchgeführt wird. Die Spezialisten des Lehrverbands Panzer/Artillerie unterstützen die Milizkader auch während den Wiederholungskursen in einzelnen Ausbildungssequenzen.
Die Festigung der 4er Gliederung und die Werterhaltung Leo sind die Ausbildungs-schwergewichte in den Wiederholungskursen der Panzer Bataillone, welche 2011 in Bure und 2012/13 auf dem Panzerschiessplatz Hinterrhein stattfinden.
Substanzielle Verbesserungen
Der im Einsatz stehende Pz Leopard wird mit den Werterhaltungsmassnahmen für eine Nutzungsdauer bis ins Jahr 2025/30 gerüstet. Bereits bei Einführung im Jahr 1987 waren Werterhaltungsmassnahmen für das Erreichen der angestrebten Nutzungsdauer vorgesehen. Die im Werterhaltungsprogramm ursprünglich vorgesehenen Massnahmen mussten später aufgrund von Sparvorgaben um einige Komponenten reduziert werden. Darunter fallen die Zusatz-Panzerungen, der Minenschutz oder die autarke Waffen- und Beobachtungsstation.
Nichts desto trotz konnten mit den Werterhaltungsmassnahmen elementare Verbesserungen erreicht werden und der Kampfwert wurde der modernen Technik angepasst. So verbessert beispielsweise die Ergänzung des Kommandanten-Periskops mit einem Wärmebildgerät und die Rückfahrkamera die Beobachtungsmöglichkeiten, was entscheidende Vorteile in Führung und Taktik bringt. Denn eine rasche Erkennung des Gegners, und damit eine frühzeitige Schussabgabe, ist bei schwer gepanzerten Verbänden von höchster Bedeutung.
Der neue Elektroantrieb des Turms - als Ersatz des bisherigen Hydraulikantriebes - erhöht zudem die Sicherheit der Besatzung. Ebenfalls grosse Verbesserungen wird die Einführung des Führungs-Informationssystems Heer (FIS HE) bringen, wofür die Panzer im Rahmen der WE vorbereitet wurden. Zusätzlich zur Werterhaltung wurde beim Panzerzug bereits auf die 4er Gliederung gewechselt.
Hervorragende Ausbildungsinfrastruktur
Für die Umschulung der Fahrzeugkommandanten der sechs Panzerbataillone wurde eine Kaderausbildungswoche in Thun organisiert. Der Standort Thun ist für diese Umschulungswoche aufgrund der hervorragenden Infrastruktur perfekt geeignet. Die Simulatoren in Thun sind infolge der Werterhaltungsmassnahmen des Leopard umgerüstet worden.
Mit der Simulationsanlage ELSA Leo II WE (elektronische Schiessausbildungsanlage) steht den Panzertruppen eine Hi-Tech Anlage zur Verfügung. Rund um die originalgetreue Turmanlage wird dabei ein 360 Grad Bild projiziert. Mit der Anlage können alle Chargen einer Panzerbesatzung (Kommandant, Richter, Lader und Fahrer) simuliert werden. Dadurch kann die Zusammenarbeit und die Führung unter realitätsgetreuen Bedingungen geübt werden.
Neben der ELSA verfügt der Standort Thun noch über weitere Simulations- und Ausbildungsanlagen. Dazu gehören beispielsweise die Fahrsimulatoren für Kampf- und Schützenpanzer (FASPA), die Fahrerstände (FASTA) und Turmtrainer, mit denen Manipulationen ausgebildet werden können. Mit dem Laser-Schuss-Simulator (LASSIM) steht ein effizientes Ausbildungsinstrument zur Gefechtsausbildung zur Verfügung.
Gespräch mit Major i Gst Markus Feuz, Chef Werterhaltung Leopard.
Herr Major was wird mit den Kaderausbildungswochen in Thun erreicht?
Mit den Kaderausbildungswochen in Thun werden die Kommandanten an der Werterhaltung geschult und befähigt, die Ausbildung der Truppe durchzuführen. Dabei wird es erst durch die hervorragende Infrastruktur möglich, die grosse Menge an Lerninhalten in so kurzer Zeit zu vermitteln. Daneben bieten Kaderausbildungswochen immer auch eine Möglichkeit, den Korpsgeist unter dem Kader der Kompanien zu stärken, insbesondere nach der Zusammenlegung von Kompanien im Zuge des Entwicklungsschritts 08/11.
Sie haben die hervorragende Infrastruktur am Standort Thun erwähnt. Welche Elemente stehen für Sie dabei im Vordergrund?
Die Simulationsanlagen in Thun sind auch international betrachtet auf dem absolut neuesten Technologie-Level. Die Anlage ELSA Leo II WE wurde beispielsweise erst Mitte letzten Jahres der Truppe übergeben. Die Anlage verfügt über zwei mal vier Türme. An diese Anlage gekoppelt ist eine typgleiche Anlage für den Schützenpanzer 2000. Dadurch können auch Übungen im Rahmen einer gemischten Kompanie durchgeführt werden. Mit der neuen Anlage kann die Übungsleitung aktiv in das simulierte Szenario eingreifen und situativ anpassen. So kann gezielt auf das Verhalten und den Ausbildungsstand der Besatzung reagiert werden. Die Anlage besticht zudem durch die qualitätshohe Bild- und Tonwiedergabe und die Möglichkeit, Haupt- und Nebenbewaffnung einzusetzen, womit der Waffenwechsel geübt werden kann.
Halten Sie es für denkbar, dass durch die erreichte Qualität der Simulationsanlagen einmal auf Übungen im scharfen Schuss verzichtet werden kann?
Nein! Obwohl die Simulationsanlagen ein wichtiges Element der Ausbildung darstellen, kann auf Übungen im scharfen Schuss niemals verzichtet werden. Nur im scharfen Schuss können Erfahrungen mit der Waffenwirkung und den reellen Effekten beim Abfeuern, wie beispielsweise der Druckwelle, unter verschiedensten Witterungs- und Umwelteinflüssen gesammelt werden. Zudem ist es psychologisch, und von der Handhabung her, immer noch ein Unterschied, einen echten Panzer und dessen Waffensysteme zu bedienen.
Die Simulationsanlagen in Thun stehen in erster Linie den Rekruten- und Kaderschulen zur Verfügung. Könnte die Infrastruktur nicht auch in vermehrtem Rahmen für Wiederholungskurse genutzt werden?
Auf jeden Fall! Die Simulationsanlagen stellen auch für WK-Verbände ein attraktives und effizientes Trainingsinstrument dar. Bei der Ausbildung im Rahmen eines WK wird der Bedarf betreffend Verfügbarkeit der Anlage sehr hoch sein. Dies bedingt eine exakte Koordination mit den Rekrutenschulen, damit die Grundausbildung nicht beeinträchtigt wird. Die Zeitfenster der Truppendienste der Pz Bat müssten auf die Verfügbarkeit der Ausbildungsanlagen ausgerichtet werden. Die positiven Rückmeldungen der teilnehmenden Kader der Umschulung zeigen, dass die Ausbildung an den Simulatoren äusserst geschätzt und als wertvoll eingestuft wird.
Die 4er-Gliederung wird nun bereits seit über zwei Jahren praktiziert. Welche Erfahrungen und Rückmeldungen haben Sie damit gesammelt?
Die Einführung der 4er-Gliederung verlief problemlos. Die neue Gliederung bietet mehr Möglichkeiten und eine höhere Flexibilität für die Zugführer, wodurch sie auf mehr Situationen reagieren können. Die Feuerkraft des Zuges wurde zudem massiv erhöht und die Rückmeldungen seitens Truppe sind durchwegs positiv.

