Kompetenzzentrum Militärmusik
Beresina kann auch grooven
Swiss Army Brass Band mit spezieller Uraufführung
Vor 200 Jahren verloren tausende Schweizer im Dienste Napoleons bei der Schlacht an der Beresina ihr Leben. Eng mit dieser Schlacht verbunden ist das 1792 enstandene Beresinalied. Eine neues Werk mit Fantasien über diese Melodie konnte die Swiss Army Brass Band zusammen mit dem Soloposaunisten Tobias Lang am 27. April in Schwanden GL uraufführen.
Zu behaupten, das Beresinalied kenne jedes Kind, wäre etwas vermessen. Wohl aber gehört es zum Schweizer Liedgut, und schon mancher Männerchor hat sich daran geübt und nicht zuletzt erlangte es durch die Schweizer Filmkomödie „Beresina“ von Daniel Schmid aus dem Jahr 1999 wieder neue Bekanntheit. 200 Jahre sind es her, seit der Legende nach die vier Schweizer Regimente eben dieses Lied beim fatalen Kriegszug gesungen haben sollen. Eines dieser Regimente wurde vom Glarner Oberleutnant Thomas Lagler angeführt, aus diesem Grund gedenkt man im Kanton Glarus in diesem Jahr speziell dem verlustreichen Feldzug vor 200 Jahren.
Swiss Army Brass Band mit jungem Solist
Ein Punkt dieser Gedenkfeierlichkeiten bildete am Freitag, 27. April das Konzert der Swiss Army Brass Band im Gemeindezentrum Schwanden GL. „Hier aber einfach das Beresinalied vorzutragen, wäre zu simpel gewesen“, erklärt Philippe Monnerat, der musikalische Leiter der Swiss Army Brass Band. Aus diesem Grund beauftragte er den erst 29-jährigen Walliser Komponisten Ludovic Neurohr, eine Komposition für Brass Band und Soloposaune unter Verwendung des Beresinaliedes zu verfassen. Den Solisten fand Philippe Monnerat ganz einfach in den eigenen Militärmusikreihen, der Luzerner Tobias Lang absolvierte im letzten Jahr die Militärmusik-Rekrutenschule. Nicht zuletzt durch die grossartige Leistung des 21-jährigen Soloposaunisten geriet die Uraufführung des Stücks „Fantaisies über Beresina-Lied“ zum Glanzpunkt im Konzertprogramm. Einmal mehr bewies Lang, wieso man schon lange vor seiner Militärmusikzeit schweizweit auf sein Können aufmerksam wurde.
Beresinalied als groovige Unterhaltungsmusik
Die gelungenen „Fanitaisies über Beresina-Lied“ nur auf den Solisten zu münzen, würde aber der ganzen Band und vor allem der Komposition nicht gerecht. Ludovic Neurohr zeigt mit dieser Auftragskomposition, wie geschickt man eine bekannte Melodie in ein Werk einflechten kann, ohne dass auch nur ein kurzer Moment Monotonie aufkommen könnte. Und damit nicht genug: Sozusagen als musikalisches Augenzwinkern verwendet er in kurzen Fragmenten auch zwei andere bekannte Motive aus Schweizer Melodien – zum einen den Berner Marsch und zum anderen Daetwylers Marignan. Diese sind so geschickt in die Komposition eingebaut, dass sie nur dem ganz aufmerksamen Zuhörer auffallen können. Im Zentrum steht aber die eigentlich sehr simple Melodie des Beresinaliedes, und genau so ruhig, sehnsüchtig und würdevoll dieses Lied im Original ist, so beginnt auch Neurohrs Werk. Hier kann zuerst der Solist Tobias Lang und später die ganze Band zeigen, mit wie viel musikalischem Gespür sie interpretieren können. Kaum kommt man aber in Versuchung, in patriotisch oder melancholisch angehauchten Gefühlen zu schwelgen, weckt einem die Komposition erfreulich keck mit der Erkenntnis: Beresina kann auch grooven!
Aussagekräftige Noten
Das Stück entwickelt sich zu einem unterhaltenden Gesamtwerk, mit genügend Gelegenheiten für den Komponisten, den Solisten und die Swiss Army Brass Band zu brillieren. Schön das Wechselspiel zwischen dem Solisten und der Band, und speziell auch der Schluss des Werks – welches fast abbricht, sozusagen wie die Krieger in der Schlacht den Willen und das Leben verlieren, um dann doch noch imposant ein Ende zu finden. Nicht nur für das Publikum war „Fantaisies über Beresina-Lied“ ein eindrückliches Erlebnis, sondern auch für den Solisten Tobias Lang, welcher zum ersten Mal mit der Swiss Army Brass Band spielte. Und auch Major Philippe Monnerat machte das Dirigieren dieser Uraufführung sichtlich Spass: „Zwar ist mir der geschichtliche Hintergrund dieses Stücks sehr präsent – als Dirigent muss ich mir dies aber nicht dauernd vor Augen halten, die Noten sind genügend aussagekräftig!“
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