Symposium der Westschweizer und Tessiner Offiziere 2011
"Evolution des valeurs, notre armée de milice garante de la permanence de la cité"

- Brigadier Philippe Rebord, Kommandant der Infanteriebrigade 2
Der Kommandant der Infanteriebrigade 2 erinnert an die Werte, ihre Entwicklungen sowie ihren Einfluss auf die Gesellschaft anlässlich des Symposiums 2011. Auszüge seiner Rede …
Das diesjährige Symposium der Offiziere der Westschweiz und des Tessins fand am 04. November 2011 in Genf statt. Die Infanteriebrigade 2 hätte keine passendere Stadt für die Thematik des Ereignisses finden können: « Evolution des valeurs, notre armée de milice garante de la permanence de la cité ». Ist die Stadt am Leman nicht ein Symbol der Reform? Erinnern wir uns, dass in seiner Zeit, Genf das Zentrum einer neuen Ideologie gewesen ist, die den festgelegten Protestantismus erschütterte.
„Er ist ziemlich alltäglich zu behaupten, die Werte, welche als Treiber der menschlichen Tätigkeit betrachtet werden, ändern, wie unsere Bedeutungssysteme in ständiger Veränderung sind. Jede Gesellschaft bestimmt und bezeichnet selbst ihre eigenen Werte.
Die Entwicklung der Werte, beeinflusst und ändert ständig die Wahrnehmungen, die unsere Mitbürger von unserem Sicherheits- und Verteidigungswerkzeug haben. Diese sind eine Motivation welche die Individuen antreibt, die Handlungen auszuführen, die sie glauben realisieren zu müssen.
Der historische, wirtschaftliche und politische Zusammenhang, in dem wir leben, führt die Individuen dazu zu der Lage Stellung zu beziehen, zu handeln, bringt uns dazu, die Welt wahrzunehmen. Die Herrschaft der Meinungen hat eine zunehmende Autonomie der Individuen in unseren modernen Gesellschaften eingerichtet. Es ist zu bemerken, dass einer der Hauptgründe für den Verlustes von Anhaltspunkten in unserer Gesellschaft, die Zunahme der öffentlichen Meinung, eine schwere Tendenz welche mit der Modernität verbunden ist. Die im Laufe der Zweifel von manchen destillierten und in Frage gestellten Themen, sind bekannt, oft auf starke und intensive Weise.
Unsere Epoche verändert sich, ist mitten im Umschwung. Zeichen, die es jetzt unmöglich ist zu ignorieren, erscheinen im Himmel der Gesellschaft und sind immer verständlicher manchmal auf friedliche Weise manchmal weniger. Eine andere Logik ist dabei sich zu entwickeln, sich einzurichten. In einem solchem Zusammenhang, wo das Volk nicht mehr nur von bürokratischen und staatlichen Institutionen vertreten ist, ist es nicht erstaunlich, dass sich die Unhöflichkeiten, Rebellion oder Aufstand mehren. Manche behaupten und verurteilen den deutlichen Aufstieg des Individualismus in unserer Gesellschaft. Es ist zutreffender über die Individualisierung der Werte, dass heisst über die Situation zu sprechen, wo der Mensch im Zentrum der Werte steht und Herr seines eigenen Schicksals ist.
Im Angesicht des eben erwähnten, ist es die Pflicht eines jeden Bürgers, sich zu informieren, informiert zu sein, sich für die Werte und die gegenwärtigen sozialen Weisungen sowie ihre Entwicklung zu interessieren.
Wir leben in einem Land, wo die Verpflichtung von Miliz ein Wert ist, den es zu bewahren gilt. Ohne Wehrpflicht würde die Schweiz eine der seltenen Gelegenheiten verlieren, für Bürger von verschiedenen Ursprüngen, Kulturen, Sprachen und Religionen, zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu helfen, und zu teilen ".

- Oberstlt i Gst Dieter Baumann, Chef Log Vorgaben und Ausbildung / Stv Chef Log Fhr (LBA)
« Jeder hat Verpflichtungen gegenüber der Schweizer Konstitution und seines eigenen Bewusstseins»
Für diese erste Intervention des Tages hat sich der Oberstleutnant i Gst Baumann für den Austausch der Werte und Bedeutungen zwischen Gesellschaften, Individuen und Institutionen, und für die ethischen Einsätze die diesen Verkehr betreffen interessiert. Er hat unter anderem aufgezeigt, wie sich die militärische Ethik in die Kreuzung des Rechtes, der Bräuche und des eigenen Bewusstseins, dass heisst zwischen dem Völkerrecht, dem Recht der Personen und unserer eigene Erfahrung und der erlebten Humansituationen einschreibt.
Die Folge seiner Argumentation hat sich durch den in der Konstitution erscheinenden Grundprinzipien, an erster Stelle der Menschenwürde inspirieren lassen. Er erinnert daran, dass sich diese in der Konstitution festgelegten Prinzipien in der Dienstordnung abzeichnen. Er hat anschliessend andere Werte aufgelistet, von welchen sich die militärischen Handlungen inspirieren sollen: der persönliche Mut, die Initiative, die Rechtschaffenheit, die Grosszügigkeit, die Integrität, das Vertrauen, die Kameradschaft, usw. Infolge dieser Liste schliesst er mit der Idee ab, dass "Jeder hat Verpflichtungen gegenüber der Schweizer Konstitution und seines eigenen Bewusstseins".

- Frau Marie-Hélène Miauton,Präsidium des Verwaltungsrats und Institutsgründerin MIS Trend SA (Wirtschafts- und Sozialforschung)
„Die Armee muss für ihren Konservatismus einstehen“
Für Frau Marie-Hélène Miauton sollte man nicht über einen Verlust oder über eine Krise der Werte, sondern besser über einen Verlust des Sinnes, über eine "Richtungskrise" sprechen. Tatsächlich sind die Werte in unserer Gesellschaft immer anwesend, aber die moralische Inspiration, die sie befiehlt, fehlt manchmal. Die Idee moralischer oder geistiger Transzendenz wurde aufgegeben, sogar der Glaube und den Glauben an positive Ideologien wurde vergessen, unsere Gesellschaft durchquert momentan eine Phase von Enttäuschung und von ideologischer Leere. Diese Situation ist häufig dem gegenwärtigen Relativismus zuzuschreiben.
Was ist zu tun, damit die gesellschaftlichen und militärischen Werte übereinstimmen? Diese Frage sollte überflüssig sein, die militärischen Werte sind für jeden, Zivilist oder Armeeangehöriger gut. Die Armee und die Gesellschaft sollten somit gemeinsame Werte haben. Jedoch erweist sich, dass dies nicht der Fall ist, die Armee wird wegen ihres Konservatismus sogar kritisiert, weil es genau bei diesen Werten bereits Unterschiede gibt. Es ist notwendig, dass die Armee ihren Konservatismus beibehält ohne ihn zu ruinieren, dies für das Wohl unserer gesamten Gesellschaft. Die Armee wäre somit der Behüter der Werte und des Sinnes, die so in unserer Gesellschaft fehlen.

- Herr Edouard Currat, Chef des Departements für Gesundheitsschutz der SUVA, Mitglied der Geschäftsleitung
“Man muss sich darin üben, die Zeichen und Tendenzen zu lesen“
In seinem Vortrag kam Herr Edouard Currat auf gewisse Ergebnisse des Studiums „Zukunftsforschung 2029" zurück, welches von der SUVA 2009 gemacht wurde. Diese Studie über 20 Jahre, der Arbeitswelt und der Freizeit hat 21 Themen aufgezeigt, welche die SUVA in „Beobachtung“ für kommende Tendenzen stellen möchte. Unter diesen Themen werden die Entwicklungen der Berufspraxen erwähnt, welche darin verwickelt sind: eine Verfügbarkeit 24/24, die Arbeit ausserhalb der üblichen Räumlichkeiten, der Überschneidung zwischen Privatleben und Arbeit, dem Funktionieren im Netz, die Anwendung von Medikamenten um die Leistung der Arbeitenden zu steigern, das Verschwinden eines Firmengeistes aufgrund der hohen Personalrotation, der Verjüngung der Gesellschaft, usw.
Der Verlauf dieser Problematiken führt Herr Currat dazu, die zunehmende Komplexität unseres sozialen und beruflichen Lebens, der Multiplikation der Signale, der Angebote, der Zweckmässigkeit zu bekräftigen. In diesem Zusammenhang müssen die Unternehmen und die Individuen eine Aussortierarbeit verrichten, und dafür sorgen einen „selektiven Radar“ zu entwickeln, um die Zukunft und die Risikofaktoren zu erkennen. Die Armee, deren jüngsten Mitglieder in diesem Transformations- und Beschleunigungskontext der Risiken geboren sind, sieht sich ebenfalls der Notwendigkeit gegenüber, diese Entwicklungen vorauszusehen.

- Herr Bernard Wicht, Privat-docent, Universität Lausanne
„Eine Armee kann die Stadt rekonstruieren“
Seine Überlegungen auf die lange Geschichte der Beziehungen unter Bürgern, Werten und sozialem Geist stützend, erinnert Herr Bernard Wicht daran, dass man seit den Analysen von Karl Marx weiss das wenn die Produktionsmittel und die Werkzeuge ändern, die Werte sich ebenfalls verändern.
Ein solcher makrohistorischer Erwägungsrahmen bringt Herr Wicht zur Frage der Funktion der Armee in Situationen, wo die Gesellschaft den Eindruck erweckt sich aufzulösen. Für ihn „steht der nächste Krieg vor der Tür“. In den komplexen Gesellschaften wird jede Zukunftsforschung sehr schwer realisierbar: Die Komplexität, die unsere Welt charakterisiert, multipliziert durch die Verletzbarkeit und Unvorhersehbarkeit, welche oft jeglichen Versuch von Weitsicht schwächen können.
Seine Antwort ist klar: „Eine Armee kann die Stadt rekonstruieren". Damit beabsichtigt er keine Machtergreifung des Militärs, sondern, nach dem Vorbild der alten Griechen, die Einberufung der Bürger-Soldaten als Mittel, eine minimale Ordnung wiederherzustellen. Tatsächlich gibt die Zeit der Auflösung der Gesellschaft und deren Werten, die dem Krieg von Peloponnes (431-404 v. Chr.) folgten, eine bemerkenswerte Illustration der Fähigkeit einer „bürgerlichen Disziplin“ den sozialen Frieden und die gemeinsamen Werte wiederherzustellen.

- Herr Olivier Jornot, Oberst i Gst, Rechtsanwalt und Genfer Grossrat (FDP)
Herr Nationalrat Christian Lüscher, der sich uns aus Gesundheitsgründen nicht hat anschliessen können, wurde kurzerhand von Oberst i Gst und FDP Abgeordneter im Genfer Grossrat Olivier Jornot abgelöst. Seine Äusserungen, bezüglich der Verbindungen zwischen der Politik und der Armee, haben unsere Überlegungen angeregt und somit unseren Gedankenhorizont erweitert.