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Heer

KIUG

Mehr Technik und Herausforderung in den WK’s

Interview Commandant
Statistische Voraussagen belegen, dass in 20 Jahren, 80% der Schweizer Bevölkerung in urbanen Zonen leben werden. Überbaute Gebiete waren schon in der Vergangenheit Schauplatz für Operationen mechanisierter Verbände wie z.B. Leningrad, Stalingrad, Paris, Prag und in der heutigen Zeit Sarajevo, Grosny oder Bagdad. Gepanzerte Einheiten gehören in dieses Milieu und spielen oft eine entscheidende Rolle. Die Panzerzukunft also ist in der Stadt. Wie unser Brigadekommandant bereits am letzten Rapport hervorhob, spielt der Kampf im überbauten Gebiet (KIUG) eine wichtige Rolle.
Wir wollten über diese neue Kampfform, welche einige Veränderungen für die Panzerbrigaden mit sich bringen wird, mehr erfahren. Auf der technischen Seite werden sich die Panzer, welche heute in komplexen Überbauungen in ihrer Effizienz eingeschränkt sind, anpassen müssen. Bezüglich der Truppe muss die Pz Br 1 offen sein für neue Ausbildungsformen und in der Lage sein neue, herausfordernde Einsatzformen zu üben.

Sdt Régis Huguenin

Einige Präzisierungen durch unseren Kommandanten Daniel Berger.

Herr Brigadier, können Sie uns in ein paar Worten den Kampf in überbautem Gebiet (KIUG) definieren ?

Die Einsatzdoktrin der Panzer muss am Kontext angepasst werden.
In Zukunft wird das Panzergefecht nicht mehr auf dem offenen müssen wir uns in die Epoche des Kalten Krieges zurückversetzen. Bis 1990 ging es dort darum, dass sich zwei Panzerarmeen gegenüber standen. In unserer Milizarmee braucht eine Doktrinänderung Zeit. Da kann es schon mal 10 Jahre dauern bis alles umgesetzt ist.
Das ist das was sich zurzeit abspielt.

Wenn man über Kämpfe in überbautem Gebiet spricht, werden systematisch Beispiele aus aktuellen Medienberichten herangezogen : Bagdad oder Gaza. Kann man solche Operationen auf unsere Städte in der Schweiz projizieren ?
Man kann immer technische und taktische Lehren aus anderen Kriegen ziehen. Aus den gezeigten Bildern konnte man erkennen, dass die Panzer andere Aufträge in einem anderen Gelände als früher erfüllen müssen. Das politische Umfeld jedoch, kann keinesfalls tel quel übernommen werden.

Als Sie vor 3 Jahren die Pz Br 1 übernommen haben, beschäftigten Sie sich vor allem mit dem Kampf der verbunden Waffen. Stellt der KIUG nun den Kampf der verbunden Waffen in Frage ?
Der Kampf der verbundenen Waffen ist auch beim KIUG gültig. Er wird nur noch komplexer da man mit kleinen, gemischten Einheiten arbeiten muss. Der KIUG ist die logische Fortsetzung des Ausbildungskonzeptes "Angriff und Kampf der verbunden Waffen". Dieses Konzept wird bis 2011 weitergeführt.

Wie kann man den KIUG trainieren ?
In den Übungsdörfern Äuli in Walenstadt und Nalé in Bure. Wir verfügen dort über Trainingszentren, welche zu den modernsten in Europa gehören.

Auf welche Änderungen muss sich die Truppe beim nächsten WK gefasst machen ?
Konkret bedeutet dies, dass unsere Soldaten zukünftig mehr Zeit im Kampfausbildungszentrum in Bure verbringen werden. Sie werden dort auf Simulatoren den Kampf in der Agglomeration üben können und die Arbeitsmethoden im überbauten Gebiet kennen lernen. Dies wird auch zur Folge haben, dass es 2011/2012 weniger Schiesskurse geben wird. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf eine für den Soldaten wichtige Veränderung aufmerksam machen nämlich, dass er viel mehr als früher mit Kollateralschäden konfrontiert wird. Im überbauten Gebiet spielt die Differenzierung zwischen Feind und Zivilbevölkerung eine zentrale Rolle. Der Gegner muss mittels genauester Aufklärung klar ermittelt werden. In den Übungszentren können bis zu 8 verschiede Bevölkerungsgruppierungen simuliert werden. Der Soldat wird in Zukunft viel mehr entscheiden müssen und eine viel grössere Verantwortung tragen..

Erfordern solche Anforderungen nicht eher eine professionelle Armee ?
Nein. Ich denke nicht, dass der KIUG nur eine Sache für die Profis sein soll. Ganz im Gegenteil, der Milizsoldat hat gegenüber der Zivilbevölkerung wesentlich mehr Sensibilität. Er respektiert sie viel mehr. Bezüglich der mentalen Beteiligung werden die WK’s für alle Soldaten technischer und herausfordernder. Mit dem Prinzip des Aufwuchs bin ich überzeugt, dass wir innerhalb von 6 bis 8 Monaten das Niveau von Profis erreichen können.

Brigadier Berger, danke für Ihre Ausführungen !

 

Für Fragen zu dieser Seite: Fachof (Hptm) Théophile Studer
Zuletzt aktualisiert am: 18.05.2011
Emblem der Panzerbrigade 1

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