SIMKIUG - einzigartige Live-Simulation
Technische und taktische Raffinesse in der Truppenerprobung


- Prüfmodus der Sensoren. Die Dichte der Abdeckung ist dank der aufscheinenden Lichtemitter-Dioden (LED) gut ersichtlich.
Während der letztjährigen Dienstleistung lernte unser Bataillon die Funktionsweise des Live-Simulationssystems SIMUG kennen. Viele Kompenten sind somit mindestens im Ansatz bekannt und die taktischen Lehren konnten auf allen Stufen gezogen werden. Die lückenlose Erfassung sämtlicher Soldaten und Kader, jedes Fahrzeuges sowie die zeitverzugslose Darstellung der jeweiligen Standorte funktionieren und sind erprobt. Der Kampf im überbauten Gelände bietet nicht nur vom taktischen Standpunkt aus betrachtet andere Ausgangslagen.
Soll ein Gefecht in einer Live-Simulation ähnlich wie im freien Gelände abgebildet werden, so braucht es einen ungleich grösseren technischen Aufwand. Gebäude schirmen die üblichen Signale von GPS und der Feldtransponder wirksam ab, die Erfassung von Fahrzeugen und Soldaten wird verhindert. Ausserdem bedarf es in Räumen einer höheren Auflösung der Positionsdaten, sollen die Teilnehmer einem bestimmten Raum zugeordnet werden können.
Eine möglichst realitätsnahe Simulation beinhaltet auch Gebäude, welche auf Beschuss reagieren und dessen Effekte an die „Bewohner“ abgeben. Diese Wechselwirkung soll schliesslich akustisch und optisch erfahrbar werden, will man Lerneffekte beim Soldaten und bei den Kadern erreichen. Der erfassungstote Raum in Gebäuden wird mit einem ausgeklügelten Sensorverbund überwunden. Bis zirka fünf Meter vor den Gebäuden erfasst ein Funksystem mit GPS die Positionen sämtlicher Systeme.


- Aufblasbarer Schlauch als flexible Barriere von Treppen; aufgeblasen = unpassierbar. Links Austrittsöffnung für Rauch.
Gelangt ein Soldat oder ein Fahrzeug in den Gebäudeperimenter, so erfasst eine aktive Antenne, ähnlich der Schlitzkabel in Tunnels (GMS- oder Radioabdeckung) die Daten. Für die Feinortung mit einer Genauigkeit von ca. 0.5 m spannen Ultraschallgeräte ein mehrdimensionales Netz um das Gebäude sowie in sämtliche Räumen auf. Nur so wird gewährleistet, dass jeder Teilnehmer auch im richtigen Raum abgebildet wird. Um die Komplexität dieser Echtzeit-Erfassung zu erläutern folgende Standardsituation: Ein Schützenpanzer fährt in das Annexgebäude eines Wohnhauses. Die Panzergrenadiere booten, nachdem der Panzer vorwärts eingefahren ist schlagartig aus und beziehen in den Räumen des Hauses provisorisch Stellung. Technisch heisst dass, der Panzer wird fünf Meter vor der Türe vom „Haussensor“ erfasst. Das System erkennt die Besatzung sowie die Grenadiergruppe im Fahrzeug, jeden einzelnen Soldaten mitsamt seiner Bewaffnung und den individuellen Einsatzstatus. Nach dem Ausbooten senden die Geräte aus verschiedenen Räumen im Gebäude, teilweise, wenn höhergelegene Stockwerke bezogen werden, sogar in der dritten Dimension. Die ganze Erfassung ergäbe keinen Sinn, wenn die Datenmenge nicht ausgewertet werden könnte. Sämtliche beschriebenen Resultate werden über ein Glasfasernetz direkt in die Leitzentrale im Gebäude 15 übermittelt. Dort entsteht im Sekundentakt ein aktualisiertes Lagebild.
Die gesamte Gebäudehülle ist ähnlich wie die Fahrzeuge mit Reflektoren sowie Laser-Empfängern ausgestattet. Wird eine Fassade mit einer Waffe beschossen, so misst diese den exakten Einschusswinkel, dedektiert die Munitionsart und errechnet daraus unter Berücksichtigung der Gebäudebeschaffenheit einen Wirkungsgrad.
Daraus ergibt sich abhängig von der Distanz zur Fassade ein Effekt im Innern. In den betroffenen Räumen werden Treffer auf den Geräten der Soldaten simuliert, Rauch, Blitzlampen sowie Akkustische Effekte unterstützen den Eindruck in sämtlichen Räumen und an der Fassade. Je nach Situation muss eine Fassade daher mehrmals beschossen werden, bis der gewünschte Effekt erzielt ist. Einige Fassaden sind mit Breschenklappen, eigentlichen Rollläden, versehen. Diese öffnen sich bei entsprechendem Beschuss und ermöglichen stellvertretend einen Einstieg, welcher ursprünglich nicht vorhanden gewesen ist.
Daraus ergibt sich abhängig von der Distanz zur Fassade ein Effekt im Innern. In den betroffenen Räumen werden Treffer auf den Geräten der Soldaten simuliert, Rauch, Blitzlampen sowie Akkustische Effekte unterstützen den Eindruck in sämtlichen Räumen und an der Fassade. Je nach Situation muss eine Fassade daher mehrmals beschossen werden, bis der gewünschte Effekt erzielt ist. Einige Fassaden sind mit Breschenklappen, eigentlichen Rollläden, versehen. Diese öffnen sich bei entsprechendem Beschuss und ermöglichen stellvertretend einen Einstieg, welcher ursprünglich nicht vorhanden gewesen ist.

- Gebäudekamera (l.) mit LED-Infrarotscheinwerfer (r.).
Auf der Anlage im Gebäude 15 werden sämtliche Vorgänge im Gelände und den Gebäuden fortlaufend gespeichert. Die Übungsleitung hat auf dem Gelände die Möglichkeit, mittels kombinierter Tag- und Wärmebildkameras die Räume zwischen den Gebäuden einzusehen. Jedes Gebäude besitzt zudem eine lückenlose Kamerüberwachung, welche dank Infrarotbeleuchtung auch im Dunkeln funktioniert. Neben der Übungsleitungsanlage SIMUG wurde im gegenüberliegenden Raum eine SIMKIUG Übungsleitungsanlage installiert. An verschiedenen Arbeitsplätzen mit mehreren Bildschirmen werden die eintreffenden Lage- und Videobilder fortlaufend beobachtet, bei besonderen Ereignissen mit einem Zeitstempel versehen, triagiert und danach durch besonders geschultes Personal unverzüglich für die Übungsbesprechung aufbearbeitet. Daraus ergibt sich ein Mix an Erkenntnissen, zusammengesetzt aus der Lagekarte, den Kamerabildern der Aussenstationen, denjenigen aus dem Innern der Gebäude und schliesslich jenen des unabhängigen Kamerateams.


- Blick in die Leitzentrale. In der Mitte hinten der Arbeitsplatz des Übungsleiters. In der mittleren Reihe die Datenaufbearbeitung. Vordere Reihe: Arbeitsplätze der Übungsleitergehilfen, welche für das Erfassen der Daten zuständig sind.
Die obigen Ausführen vermögen einen Eindruck der extremen Dedektions-, Übertragungs- und Speicherleistung des Live-Simulators zu vermitteln. Das System ist in seiner Ausführung weltweit einzigartig. Viele Software und Hardwarekomponenten sind Neuentwicklungen. Daher ist es wichtig, das System mit einer maximalen Anzahl von Daten zu belasten, um seine Funktionsfähigkeit auch über einen längeren Zeitraum zu verifizieren. Während dieses
Abnahmeprozederes werden die internen Abläufe beispielsweise bei der Auswertung zusätzlich überprüft und weiterentwickelt. (ra)
Abnahmeprozederes werden die internen Abläufe beispielsweise bei der Auswertung zusätzlich überprüft und weiterentwickelt. (ra)
Weitere Photos zu der Leitzentrale und der Technik in Nalé finden sie [hier]




