Jahresrapport 2012
Medienmitteilung vom 22. Januar 2012
Letzter Jahresrapport von Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler
Am letzten Jahresrapport von Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler standen die eigenen Einsätze und Ausbildungen der Territorialregion 4 sowie die Weiterentwicklung der Armee im Zentrum des Interesses. In der OLMA-Halle in St.Gallen versammelten sich hierzu rund 800 Offiziere, höhere Unteroffiziere sowie zahlreiche Prominente aus Wirtschaft und Politik. Auch die beiden höchsten Schweizer, der Nationalratspräsident Hansjörg Walter und der Ständeratspräsident Hans Altherr, erwiesen der Territorialregion mit ihrem Besuch ihre Referenz.
Am diesjährigen Jahresrapport der Territorialregion 4, die für die Kantone ZH, GL, AR, AI, SH, SG und TG zuständig ist, informierten sich die Teilnehmer und Gäste über den aktuellen Stand der Weiterentwicklung der Armee (WEA). Der Ostschweizer Brigadier Hans-Peter Walser referierte als oberster Armeeplaner über den derzeitigen Planungsstand. "Die Armee bleibt ein strategisches Mittel um Sicherheit zu produzieren", sagte Walser in seinem „Werkstattbericht“. Er thematisierte dabei auch die Frage der Wehrpflicht. "Das Milizsystem ist und bleibt das beste System für unser Land. Das Fach-wissen der Miliz garantiert die Qualität der Armee und das Milizsystem ist zudem kostengünstiger als eine Berufsarmee". Die Schweizer Armee verfüge dank dem Armeebericht erstmals über ein klares Leistungsprofil mit Zeitverhältnissen sowie mit geforderten Verfügbarkeiten der Verbände. "Nun können wir definieren, wer, wie schnell und in welchem Umfang zum Einsatz kommen muss". Die Armee müsse beispielsweise in der Lage sein, die zivilen Organe bei ausserordentlichen Ereignissen mit bis zu 35'000 Angehörigen zu unterstützen. "Hierfür braucht es ein neues Mobilmachungssystem, dem nach wie vor die Mittel der Profiverbände zu Grunde liegen". Auch die angedachte Verkleinerung der Truppenkörper stelle eine wichtige Neuerung dar. Sie stelle sicher, dass Material und Bauten effizienter genutzt würden. Durch die Integration von vier Infanterie- und einem Militärpolizeibataillon in die Territorialregionen wolle man zudem die Nähe zu den Kantonen und die Einsatzfähigkeit stärken. Bis die Modelle und Planungen genehmigt und umgesetzt würden, fliesse aber "noch viel Wasser die Sitter hinunter", betonte Brigadier Walser.
Schwergewicht auf Verbandstraining
"Veränderungen kommen, doch wann und wie, das kann man noch nicht voraussagen" ging Korps-kommandant Dominique Andrey auf die Ausführungen von Hans-Peter Walser ein. Eines bleibe bestehen: Die Miliz müsse kommen, wenn man sie bräuchte und dafür müsse sie bereit sein. Taktisches und technisches Know-how sowie eine gezielte Leistung im Verbund seien dabei die Grundsteine des Erfolgs, so der Kommandant Heer. Deshalb wolle man, unabhängig von der Weiterentwicklung der Armee, das Schwergewicht noch mehr auf das Verbandstraining legen. "Einzelleistungen führen nicht zum Ziel, wir müssen im Verband stark sein und die Basis dafür ist eine gute und übergreifende Aus-bildung", betonte der neue stellvertretende Chef der Armee. Diese müsse vereinbar mit Studium, Be-rufslehren und den Bedürfnissen der Wirtschaft sein. "Das ist ein Fensterproblem", ist sich Korpskommandant Andrey sicher, "wir müssen den jungen Leuten gemeinsam mit den Erziehungsdirektoren plausible Lösungen anbieten". Alle Angehörigen der Armee, auch zukünftige Kader, müssten zudem wieder eine komplette Rekrutenschule mit einer Dauer von 17 bis 18 Wochen absolvieren. Hinterfragt werden soll aber auch der Rhythmus der Wiederholungskurse, "denn eine jährliche Verschie-bungsquote von rund 30% spricht eine deutliche Sprache", betonte Dominique Andrey.
"Nicht auf Kosten der Territorialregion 4!"
Sicherheitspolitik müsse kritisch hinterfragt werden, um aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, führte der Thurgauer Sicherheitsdirektor Claudius Graf-Schelling als Vertreter der Ostschweizer Si-cherheitsdirektoren aus. Es gebe keine Freiheit ohne Sicherheit, deshalb brauche es eine gut ausgebildete und gut ausgerüstete Armee, die in der Lage sei, in Krisensituationen schnell und professionell Sicherheit zu gewährleisten und der Bevölkerung zu helfen. Die Armee solle mit einem Budget von rund 5 Milliarden Franken einen Bestand von 100'000 Angehörigen finanzieren und gleichzeitig neue Kampfjets erwerben. Es werde im Hinblick auf die Anschaffung von neuen Jets unweigerlich Vertei-lungskämpfe innerhalb der Armee geben. "Keine neuen Jets auf Kosten der Territorialregion 4!", forderte deshalb Graf-Schelling. Das Milizsystem lebe von Organisationen wie der Territorialregion 4, die rasch und ortskundig zum Einsatz kommen könne und deren Köpfe man kenne.
Kooperative Sicherheit und globale Vernetzung
"Krisen können kurzfristig entstehen und erfordern ein sofortiges Handeln", führte der Deutsche Gene-ralmajor a.D Christian E.O. Millotat in seinem Referat über die sicherheitspolitische Lage in Europa aus. Zerfallende und zerfallene Staaten, die daraus resultierende Gefahr von Terrorismus, immer knapper werdende Ressourcen, Naturkatastrophen und Migrationsströme seien die grössten Gefahren unserer Zeit. Der profunde Kenner der europäischen Sicherheitsorgane strich in diesem Zusammenhang die Bedeutung und Wichtigkeit von Allianzen heraus. Es sei für Deutschland unabdingbar, den Weg der kooperativen Sicherheit zu gehen und eine intensive Vernetzung zu festigen. Denn alles Neue gründe auf langjähriger Zusammenarbeit und gemeinsamem Handeln. Die Entstehung von eu-ropäischen und globalen Sicherheitsorganisationen wie der NATO zeige, dass es sofort verfügbare Sicherheitsinstrumente brauche. Dieser Entwicklung schenke man auch bei der aktuellen Reform des Deutschen Heeres höchste Beachtung.
Letzter Jahresrapport des Kommandanten
Hans-Ulrich Solenthaler wird am 30. Juni 2012 als Kommandant der Territorialregion 4 altershalber abtreten. In einem spontan inszenierten Interview erzählte Solenthaler von seiner Zeit als Armeean-gehöriger. Er habe anfänglich ausschliesslich in Appenzeller Verbänden Dienst geleistet und dabei die Herzlichkeit und die Leistungsbereitschaft der Appenzeller kennen und schätzen gelernt. Unvergesslich bleibe auch seine Zeit als Gesamtprojektleiter des Kasernenbaus Neuchlen-Anschwilen. Um die Opposition vor Ort zu überraschen, erteilte er den Startschuss für die Bauarbeiten nach taktischen Kriterien. Die Baumaschinen seien dezentral auf zivilen Baustellen aufgefahren, um anschliessend rasch an den Bauplatz zu gelangen und so die Horchposten der Opponenten zu überlisten. Die Wogen seien heute geglättet und die Kaserne stehe, resümierte Hans-Ulrich Solenthaler jene hektischen Tage schmunzelnd. Die offizielle Verabschiedung des Kommandanten der Territorialregion 4 findet am 30. Mai 2012 in Herisau statt.
Neuer Kommandant der BUSA
Der im Thurgau wohnende Heinz Niederberger wurde durch den Bundesrat per 1. Januar 2012 zum neuen Kommandanten der BUSA - der Berufsunteroffiziersschule der Schweizer Armee in Herisau - mit gleichzeitiger Beförderung zum Brigadier gewählt. Divisionär Solenthaler dankte seinem ehemaligen Zugeteilten Stabsoffizier für seine langjährigen Dienste zugunsten der Territorialregion 4 und gratulierte ihm offiziell zur Wahl. Als neuer Kommandant des Kata Hi Bat 23 durfte zudem der Zürcher Milizoffizier Oberstleutnant Josef Wiederkehr seine Bataillons-Fahne entgegennehmen.
- Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler, Kdt TerReg4
Begrüssung und Rückblick 2011
Publiziert am: 21.01.2012 | Grösse: 3775 Kb | Typ: PDF
- Korpskommandant Dominique Andrey, Kdt Heer
Künfige Ausbildungsmodelle im Heer
Publiziert am: 21.01.2012 | Grösse: 4470 Kb | Typ: PDF
- Generalmajor a. D. Christian E.O. Millotat (DEU)
Sicherheitspolitische Lage in Europa-Auswirkung auf die Streitkräfteentwicklung
Publiziert am: 21.01.2012 | Grösse: 976 Kb | Typ: PDF
- Brigadier Hans-Peter Walser, C Armeeplanung
WEA - Weiterentwicklung der Armee
Publiziert am: 21.01.2012 | Grösse: 1602 Kb | Typ: PDF
- Berufsschüler zu Gast beim FU Bat 24
Video vom Besuchstag
Publiziert am: 21.01.2012 | Grösse: 16771 Kb | Typ: FLV


